Digitales Partizipationssystem (DIPAS)

Bürger/-innenbeteiligung in formellen Planungsprozessen ist in der Bundesrepublik Deutschland seit den 1960er-Jahren gesetzlich verpflichtend. Doch häufig werden Partizipationsprozesse dafür kritisiert, dass sie keinen großen Aufwand betreiben, die Sicht der Bürgerinnen und Bürger in Entscheidungen zu berücksichtigen.
Mit dem DIPAS-Projekt arbeitet das CityScienceLab (CSL) der HCU zusammen mit der Freien und Hansestadt Hamburg Hamburg an einem System, das Beteiligungen in Planungsverfahren umfangreicher, inklusiver und transparenter gestalten soll.
2016 hat das CSL im Auftrag der Stadt Hamburg das Projekt »FindingPlaces« durchgeführt, in dem Bürgerinnen und Bürger in Workshops mithilfe von interaktiven Stadtmodellen (sogenannten »CityScopes«) mögliche Flächen für Geflüchtetenunterkünfte in Hamburg identifiziert haben. Für das DIPAS-Projekt wird auf dem hieraus gewonnenen Wissen zu Beteiligungsworkshops mit digitalen Tools aufgebaut. Kernziel des Projekts ist es, den methodischen Ansatz der CityScopes mit dem Online-Beteiligungstool der Stadt Hamburg zu verbinden und so ein integriertes, medienbruchfreies digitales System zur Bürger/-innenbeteiligung zu entwickeln.

Die Entwicklung des Tools geschieht iterativ in drei Stufen, sodass die Erkenntnisse aus der qualitativen Nutzungsforschung in die technische Weiterentwicklung einfließen können © Rosa Thoneick, 2019

Seit Anfang 2016 ist das Online-Beteiligungstool der Stadt, entwickelt von der Stadtwerkstatt und dem Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung (LGV), verfügbar und wird im Rahmen informeller Beteiligungsverfahren in ganz Hamburg eingesetzt. Dank des Beteiligungstools können sich Bürgerinnen und Bürger zeit- und ortsunabhängig an Planungen beteiligen. Sie können ihre Ideen, Wünsche, Kritik und Fragen in geografisch verortbaren Beiträgen einbringen und sich mit anderen austauschen. Auf diese Weise wird der Beteiligungsprozess transparent und nachvollziehbar. Durch den Einsatz digitaler Datentische soll mit DIPAS künftig das ganze Potenzial von Geodaten, digitalen Modellen und Simulationen nicht nur online, sondern auch vor Ort, beispielsweise bei Informationsveranstaltungen oder Workshops, nutzbar gemacht werden. Die Aufbereitung komplexer Materie in einer allgemein verständlichen Darstellung soll einen Austausch auf Augenhöhe zwischen Laien und Fachleuten befördern und so eine qualitative Verbesserung von Planungsdiskussionen ermöglichen.

Bürger/-innen nutzen das DIPAS-Tool während eines Bürgerinformationsabends zur Bebauung des Kleinen Grasbrooks © Asja Caspari / Clever Cities, 2018

Das CSL-Team entwickelt das Tool gemeinsam mit Stadtwerkstatt und LGV und erforscht die Sichtweise von Bürgerinnen und Bürgern darauf. Dies geschieht über eine qualitative Studie, die die Gebrauchstauglichkeit (Usability) und das Nutzungserleben (User Experience) erhebt und auswertet. Die Erkenntnisse aus dieser Studie fließen wiederum direkt in die Projektentwicklung ein. In der dreijährigen Projektlaufzeit sind zwei Studien angesetzt sowie mehrere Pilotierungen in Beteiligungsveranstaltungen, bei denen in teilnehmenden Beobachtungen und Interviews Daten erhoben werden, die für die Auswertung genutzt werden sollen.

Ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt liegt auf der Auswertung der Bürger/-innenbeiträge. Wenn Beteiligungsprozesse dank digitaler Tools mehr Bürgerinnen und Bürger erreichen, ist davon auszugehen, dass sich auch die Zahl der Beiträge deutlich erhöht. Dies stellt die Durchführenden von Beteiligungsverfahren vor neue Herausforderungen bezüglich der Auswertung dieser Beiträge.

Mit klassischen Methoden der qualitativen Datenauswertung kann diese Menge an Informationen nicht ohne erheblichen Mehraufwand verarbeitet werden. Aus diesem Grund werden im DIPAS-Projekt computergestützte Methoden entwickelt, die die Auswertung großer Mengen von Beiträgen unterstützen sollen. Dabei werden statistische Verfahren der Sprachverarbeitung (Natural Language Processing) angewendet. Neben der Verarbeitung wachsender Datenmengen ist ein weiteres Ziel des Projekts die Entwicklung eines standardisierten Prozesses, der eine transparente Vergleichbarkeit und Weiterverarbeitung der Daten ermöglichen soll.

Er soll schon während laufender Verfahren Einblick in die Daten erlauben, was die Transparenz des Prozesses für die Bürgerinnen und Bürger erhöht und einen weiteren Mehrwert für jene bedeutet, die die Verfahren durchführen.

CSL

Team

CityScienceLab

Das CityScienceLab der HafenCity Universität Hamburg erforscht mit PartnerInnen aus der Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft die Veränderung von Städten im Kontext der Digitalisierung. Es ist Teil des ahoi.digital Network of Labs – Netzwerk interdisziplinärer Creative Labs der Hamburger Hochschulen für Informatik.

Prof. Dr.-Ing. Jörg Rainer Noennig, Holger Prang, Maria Dauwalter,
Rosa Thoneick (HCU CSL), Stadtwerkstatt/BSW, LGV

Diese Informationen stammen aus dem Bericht
„EXPLORATIONEN 2019/20 FORSCHUNG AN DER HCU“

ahoi.digital

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